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Der Stockmann-Verlag hat sich in den letzten Jahren als Verlag für hochkarätige spanische Literatur etabliert. Auch 2012 bleiben wir dem treu – es erscheinen gleich zwei neue Bände, zwei deutsche Erstübersetzungen:
Ein Nachtclub in Barcelona in den Sechziger Jahren. Auf einer Bühne mit knallroten Samtvorhängen treten Nacht für Nacht Sänger und Tänzerinnen auf. Doch gelegentlich bricht in diese glitzernde Scheinwelt brutal die Realität ein, wenn eine Tänzerin tot zusammenbricht. Einmal hat ein eifersüchtiger Liebhaber geschossen, ein anderes Mal stirbt ein Mädchen an überhöhter Einnahme von aufputschenden Tabletten. Der bunte Reigen der Personen wird größer, als die geheimnisvolle Soledad Rubí auftaucht, in der sich der Duft der Weizenfelder und fleischliche Sinnlichkeit verbinden. Leider verlieben sich der Lokalbesitzer Don Mauricio wie auch der Haus-Fotograf Rovira in dieses geheimnisvolle, unnnahbare Mädchen...
All das erfahren wir auf einer zweiten Ebene: Der Ich-Erzähler war damals ein Knabe, er ist der jüngere Bruder des Sängers und Tänzers Ramón, der seiner Familie ins ferne Málaga im Süden zahlreiche Briefe mit Fotos schickt, die Rovira gemacht hat, und so dringen jene Ereignisse aus dem Nachtlokal und der Künstlerpension in die Welt der Jungen, die Fußball spielen und auf der Schrotthalde herumklettern, ihre ersten Zigaretten probieren und Mädchen anhimmeln, die sich schon prächtig entwickelt haben.
Antonio Soler (geb. 1956 in Málaga) zählt seit diesem Roman zu den besten spanischen Autoren der Gegenwart. In sensibler Sprache und assoziativen Bildern fügt er die beiden Welten zu einem wundervollen Panorama zusammen. Seine Werke, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, erschienen schon in acht Sprachen. Dies ist sein erster Roman in deutscher Übertragung.
1907. León, Nicaragua. Während einer Ehrung, die ihm seine Heimatstadt erweist, schreibt Rubén Darío, der größte Poet dieses mittelamerikanischen Landes, auf den Fächer eines kleinen Mädchens eines seiner schönsten Gedichte: „Margarita, wie schön ist das Meer...“
1956. In einem Kaffeehaus in diesem León trifft sich seit langem eine Gruppe von Männern, die sich unter anderem der genauen Rekonstruktion dieser Legende um den Dichter widmen. Aber auch, um eine Verschwörung vorzubereiten. Anastasio Somoza, seit Jahrzehnten Diktator des Landes, besucht die Stadt. Ein prunkvolles Festmahl soll stattfinden. Auf den Tyrannen wird ein Attentat verübt werden, und jenes Mädchen mit dem Fächer und seine Schwester Salvadorita, nunmehr Gemahlin Somozas, werden ziemlich nahe am Schauplatz sein.
Aus diesen Fakten gestaltet Ramírez in glanzvoller Sprache mit blitzender Ironie eine Handlung, in der Poesie, Grausamkeit und Wahnwitz das Geschehen beherrschen.
Sergio Ramírez (geb. 1942 in Nicaragua) spielte in der sandinistischen Volksbewegung gegen Diktator Somoza, den Sohn des oben Genannten, eine wichtige Rolle. Nach dem Sieg wurde er Vizepräsident. Neben Gioconda Belli und Ernesto Cardenal die wichtigste literarische Gestalt Nicaraguas. Auf deutsch unter anderem: Viva Sandino; Die Spur der Caballeros; Maskentanz; Adios Muchachos; Vergeben und Vergessen.